Hauchdünner Schutzfilm

Wer über Innovation beim Auto spricht, hat nicht immer den Korrosionsschutz im Blick. Dabei sind seine Einsatzgebiete so vielfältig wie die Anforderungen steigen.

Zunächst einmal trägt ein hochleistungsfähiger Korrosionsschutz entscheidend dazu bei, Funktionalität und Betriebssicherheit von Automobilkomponenten zu erhalten. So bewahrt ein kathodischer Korrosionsschutz – also ein Schutz mit elektrochemischem Verfahren – die Bauteile dabei nicht nur aktiv vor Umwelteinflüssen. Er kann auch eine Reihe von weiteren Anforderungen erfüllen: Er gewährleistet zum Beispiel höchste Korrosionsstandzeiten, chemische und mechanische Beständigkeit, Gleiteigenschaften, eine geringe Schichtdicke oder Unempfindlichkeit gegenüber extremen Temperaturen.

Einsatz für die OEMs

Vor allem in der Automobilindustrie soll die Oberflächenbeschichtung nicht mehr nur vor Korrosion schützen, sondern auch ein langfristig hochwertiges Erscheinungsbild garantieren. Dies gilt insbesondere für sichtbare Komponenten. Gleichzeitig soll die Beschichtung in Bereichen des Motorraums temperaturbeständig sein, bei Schrauben eine einfache Verschraubung ermöglichen und die Verwendung hochfester Stähle erlauben. Nicht zuletzt nehmen bei der Wahl des Oberflächenschutzes Faktoren wie zum Beispiel eine Materialgewichtsreduktion zur Gewichtseinsparung stetig zu.


REM einer Schraube mit Zinklamellenbeschichtung

Korrosion kann praktisch alle metallischen Werkstoffe und Komponenten betreffen und wird von vielen unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Die Findung eines maßgeschneiderten Hochleistungskorrosionsschutzes ist daher ein komplexer Prozess, der alle Beteiligten der Wertschöpfungskette fordert.

Geringe Ressourcen

Nur ein Beispiel: Unternehmen setzen erfolgreich auf Lamellensysteme aus Zink. Der hauchdünne Schutzfilm hat mehrere Vorteile. Beim Beschichtungsprozess wird zum Beispiel kein Wasserstoff erzeugt, so dass die Gefahr einer applikationsbedingten wasserstoffinduzierten Spannungsrisskorrosion vermieden wird. Und er ist wegen des geringen Ressourceneinsatzes auch aus ökologischer und ökonomischer Sicht interessant.


Pionier für Korrosionsschutz

Ihr Unternehmen ist seit fast 40 Jahren Pionier für Mikroschicht-Korrosionsschutz-systeme. Wie erklären Sie den Erfolg dieser Geschichte?

Unsere chromfreien Zinklamellensysteme sind auf hochfesten Bauteilen wie Fahrwerksteilen oder Federn technisch und ökonomisch häufig alternativlos. Sei es, weil andere Systeme in der Applikation zu hohe Temperaturen fordern, prozessbedingt gefügeschädigenden Wasserstoff anbieten oder zu viel Schichtaufbau benötigen. Wir arbeiten kontinuierlich eng mit führenden OEMs an maßgeschneiderten Lösungen für die Teileindustrie. Ein bedingungslos serviceorientiertes Team und ein globales, qualitätsgeprüftes Beschichternetzwerk runden den nachhaltigen Erfolg unseres familiär geführten Unternehmens ab.

Sie sind Spezialist für effektive Beschich-tungslösungen. Was zeichnet diese aus?

Effektiv bedeutet wirksam und nutzbringend. Wir werden dann gesucht, wenn der Erhalt beziehungsweise die Erzeugung weiterer Bauteilfunktionen durch Schutzsysteme und die zugehörige Applikationstechnik gefordert sind. Unsere Stärke ist die Erfüllung dieser häufig sehr komplexen Anforderungen. Die Beschichtung ist dabei grundsätzlich kathodisch schützend, das heißt auch bei betriebsbedingten Verletzungen wie Steinschlag oder Verbaubeschädigungen ist der Korrosionsschutz und Funktionserhalt gewährleistet.

Können Sie konkrete Beispiele für erfolg-reiche Anwendungen geben?

Das vermeintlich simple Bauteil „Schlauchschelle“. Hier sind wir bis heute Technologieführer, weil unsere Oberfläche die Öffnungsbewegung ermöglicht, auf den Schläuchen nicht verklebt und maximalen Korrosionsschutz bei ständigem Temperaturstress bietet. Außerdem muss die Applikation wegen der millionenstarken Stückzahlen im preiswerten Schüttprozess durchführbar sein.

Vor welchen Herausforderungen steht Ihr Unternehmen in dieser Branche zurzeit?

Die Anforderungen an Multifunktionalität und höheren Korrosionsschutz steigen kontinuierlich bei allen OEMs. Mit Sorge beobachten wir Handelsbarrieren durch Nationalisierungspolitik, aber auch die populistische Entwicklung in der Nox-Diskussion. Bei der internationalen Umstellung auf e-Fahrzeuge wird die europäische Supply Chain bei der aktuellen Geschwindigkeit unnötige kollaterale Einbußen hinnehmen müssen. Nicht zuletzt führen Zulassungsbeschränkungen oder Zölle zu Problemen bei der Rohstoffversorgung. Dies alles führt zu einem weiteren Qualitäts-, Kosten- und Verdrängungsdruck, welchen wir als Chance für unsere Lösungskonzepte betrachten.


Aktiver KTL 2.0-Korrosionsschutz

KTL (kathodische Tauch-lackierung) ist das im Automobilbau am häufigsten verwendete Schutzsystem für Oberflächen. Mit „KTL 2.0“ von Dörken MKS lassen sich nun auch komplexe Bauteile im Fahrwerksbereich beschichten.

Die klassische KTL-Technologie bietet einen reinen Barriereschutz – keinen aktiven kathodischen Korrosionsschutz. Dieser sorgt dafür, dass ein Substrat nicht sofort rostet, wenn eine Beschädigung der Beschichtung bis zum Grundmetall reicht. Unter dem Motto „KTL 2.0“ bietet Dörken MKS diesen aktiven Schutz. Gerade im Bereich „Unterboden“ können OEMs so die Lebenszeit der Fahrzeuge deutlich verlängern.

Langer Werterhalt mit KTL-Beschichtung

Viele Automobil-Bauteile werden durch KTL-Beschichtungen oder eine Kombination aus KTL- und Pulverlack geschützt. Die Gründe für den bevorzugten Einsatz dieser Oberflächentechnik? Gute Korrosionsschutzeigenschaften, Chemikalienbeständigkeit und eine hohe Wirtschaftlichkeit der Technologie. Nur bei Verletzung der KTL-Oberfläche bis zum Grundmetall zeigen sich die Leistungsgrenzen. Jedoch werden diese Korrosionserscheinungen von der Industrie immer weniger akzeptiert. Vor allem Premium- Hersteller legen jedoch zunehmend Wert auf ein auch langfristig hochwertiges Erscheinungsbild und den Werterhalt ihrer Produkte.

Kleine Lamellen

Unter dem Slogan „KTL 2.0“ bietet Dörken MKS daher die maßgeschneiderte Kombination aus einem Zinklamellen-Basecoat und einem Topcoat. Der für den kathodischen Schutz verantwortliche Basecoat ist ein metallischer Überzug aus vielen kleinen Zinklegierungslamellen, die durch eine anorganische Matrix verbunden sind.

Ästhetischer Lack

Mit wahlweise schwarzem Topcoat verleiht der Oberflächenschutz den beschichteten Teilen eine ästhetische tiefschwarze Optik bei sehr dünnen und gleichmäßigen Schichten. Die Vorteile: In der Produktion müssen Gewindeteile nicht nachgeschnitten werden und auch auf das Wachsen von Innen- und Schweißnähten kann verzichtet werden. Durch Schichtaufbauten von <20 μm ist außerdem das Setzverhalten hervorragend. Da im Applikationsprozess kein Wasserstoff angeboten wird, eignet sich das System zudem für hochfeste Stähle.